HÄUSER UND LEUTE


Hausnamen und ihre Entstehung in Eichelsachsen bis 1900.

Eichelsachsen ist ein ruhiges, zu ruhiges Örtchen in dem fast jeder jeden kennt. Was auch bei ca. 850 Einwohnern kein Problem ist.

Hier ein paar Häuser mit kleinen Anekdoten über die Gründer, Besitzer und Vorkommen mit Dorfnamen.

Alte gebrachte Hausnamen, wie sie seit Jahrhunderten in den Dorfern in Gebrauch waren und ganz geringfügig viele Generationen mit demselben Namen überdauerten, sollen in unserem Dorfe der Nachwelt erhalten werden. Hausnamen sind in früherer Zeit viel aus der Tätigkeit der Hausbesitzer hervorgegangen. So finden wir noch im allgemeinen ringsum in den Dorfern Hausnamen, die an einst ausgeübte Berufe erinnern wie:

Schmidds = Schmied, Wahsch = Wagner, Schreiesch = Schreiner, Schneiresch = Schneider, Schustesoh = Schuhmacher, Mellesch = Müller. Keuhhedds und Sauhedds erinnern an das gemeinsame Hüten dieser Tierarten. Obwohl der Beruf des Leinewebers in unserem Dorfe noch in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts verstärkt betrieben wurde -in jedem zweiten Haus der bis 1850 erbauten Hauser ein Webstuhl erinnert aber kein Hausname mehr an diese Arbeit. Eine Familie, die sich Weber schrieb und Anfang des 20.Jahrhunderts "emm Heddehaus" = Hirtenhaus (Jetzt Zwiefalterstraße 14) wohnte, war im Dorf als (abgeschliffen) "Stowwewebesch" oder "Stoffewebesch" bekannt. Ich nehme aber an, dass diese "Stowwe" oder "Stoffe" eher auf den Männernamen "Stoffel" = Christoph zurückzuführen war, als dass er etwas mit einer damaligen Stoffweberei zu tun hatte. Folgen wir bei der Aufzahlung den früheren Hausnummern, die beim jetzigen Haus Kirchweg 11 mit Nummer 1 begann, in umgekehrter Uhrzeigerrichtung das Dorf durchliefen und beim Haus Kirchweg 19 enden. Ich weise darauf hin, dass alle nach 1900 erbauten Hauser nicht erwähnt werden, nur die, die an Stelle eines alten errichtet wurden. Die von mir angeführten laufenden Nummern haben mit den früheren Hausnummern nichts gemein. Zur besseren Orientierung sind die jetzigen Hausnummern beigefügt.

1. Kirchweg 14 "Eckets", auch "Ecketschneirer".
Umständehalber ging das kleine Anwesen, das im Vorgarten des Hauses Kirchweg 14 stand, nach dem Tode des "Ecketschneirer" durch Zwangsweisen Verkauf an den neuen Besitzer Ihde über, der es niederlegte und ein neues erstellte.

2. Kirchweg 12 "Christejahns".
Ein Wilh. Mettenheimer, dessen Vater Christian hieß, das den erwähnten Hausnamen hervorbrachte, erwarb das Haus im Jahre 1885 von einem Johannes Sachs, dem es zu klein war und das Anwesen Kirchweg 3 kaufte.

3. Kirchweg 8 "Kiefesch".
In diesem Hause waren Menschen tätig, die aus Eichenholz Eimer, Bottiche, und auch Fässer herstellten, die so genannten Küfer.

4. Kirchweg 6 "Leckes" (zur Zeit Schlösser).
Johs. Lecke erbaute das Haus im Jahre 1925, an dessen Stelle zuvor ein Doppelhaus mit nicht allzu großen Ausmaßen gestanden hatte. Christian Bechtold hatte eine Werkstatt als Wagner und "Kriemesch" = Krämer besaßen einen Kramerladen.

5. Zum Schonen Stein 7 "Nier´sch", vor dem "Kollesch".
Ein Martin Koller erwarb das wohl älteste Haus im Dorfe, das zur Zeit noch ohne Keller dasteht, im Jahre 1886 von einem Jak. Schmidt (Schmidts Jakob) der, nachdem ihm die Frau gestorben war, mit seiner Tochter nach Amerika auswanderte. In diesem mit Räumlichkeiten spärlich ausgestattetem Haus, befand sich eine Schmiede (wahrscheinlich Hagelschmiede) und ein Branntweinausschank.

6. Zum Schonen Stein 9 "Mezze".
(früher Kastemoistesch = Kirchenrechner). Es lässt sich nicht mehr feststellen, wann der erste Kastenmeister in diesem Hause tätig war, auch nicht, wann der letzte sein Amt niederlegte. Der Hausname "Kastemoistesch" ging in der Mitte des 20.Jahrhunderts langsam in "Mezze" (von Merz) über.

7. Zum Schönen Stein 13 "Engelhards".
Obwohl ein Engelhard Schröder im Jahre 1780 als Metzger aus dem Odenwald ins Dorf kam, hat sich sein Familienname als Hausname nicht vererbt, dafür aber sein Vorname bis zum heutigen Tage. Etwa um die Mitte des 19.Jahrhunderts tauschte "d Bennesch-Hannes" sein Anwesen (jetzt Zum Schonen Stein 13), das ihm damals zu groß war, gegen das etwas kleinere "Zwiefalterstraße 12" ein.

8. Zum Schönen Stein 15 "Wetzis", aus Würtz entstanden.
Wilhelm Würtz erwarb die alte "Schärtgesmühle" um das Jahr 1925 von einem Ewald Wesch aus der nähe Stettins, der 1918 wahrend des Rückzuges der Truppen nach dem verlorenen 1. Weltkriege in dieser alten Mühle in Quartier lag. Auf Drängen seiner Frau zog Wesch nach einem kurzen Gastspiel wieder in seine alte Heimat zurück. Zu gewerblichen Zwecken drehte sich das Mühlenrad im Jahre 1910 das letzte mal, da der damalige Besitzer Rau beim Heufestbinden aus einen halben Meter Höhe rückwärts vom Wagen fiel und sich das Genick brach.

9. Zum Schönen Stein 17 "Schütze".
Seit ungefähr 1910 führt dieses Haus diesen Namen durch einen Wilhelm Schütz aus Betzenrod, das vordem "Langs" hieß.

10. "Zum Schonen Stein 19 "Blomme" = Blum.
Karl Wilhelm Blum erwarb das Anwesen gegen Ende des 20.Jahrhundorts von einer Familie Sachs, die nach Amerika auswanderte.

11. Zum Schönen Stein 3 "Schefeschappels".
nach einem Schäfer Appel, der schon 1737 erwähnt wird.

12. Zum Schönen Stein 2 "Endesche".
Dieser Hausname ist vielleicht schon zwei-, auch drei- hundert Jahre alt und ist auf einen männlichen Vornamen zurückzuführen, da ein männlicher Zuname Enders nicht aufzufinden ist.

13. Zum Schonen Stein 1 "Johanns".
abgeleitet von Johann Strauch aus Busenborn, der um die Mitte des 19.Jahrhunderts eine Gaststätte errichtete,
die nach ungefähr 120 jährigem Bestehen ihre Pforten wieder schloss. Das Haus wurde von einer Familie Troll erworben.

14. Rainröderstraße 1 "Postboasts".
als Hausname seit Mitte des 19.Jahrhunderts bekannt.

15. Rainröderstraße 3 "Schefesch".
1779 wird ein Schäfermeister Johann Georg Wingefeld erwähnt, der seinen Familiennamen bis ungefähr 1970 erhalten konnte, seinen Hausnamen aber bis dato.

16. Rainröderstraße 8 "Diehls".
1865 erscheint unter allen Gewerbetreibenden im Dorfe ein Ludwig Christian Diehl, der diesem Haus seinen Namen bis zum heutigen Tage verlieh, das vorher nur als die "Schaarminn" = Scharmühle bekannt war.

17. Rainröderstraße 30 "Grondmehlesch".
Diese Mühle, die ursprünglich eine herrschaftliche Bannmühle war, ging im 18.Jahrhundert in privaten Besitz über und wird als "Seiberts" Mühle erwähnt. Im 19.Jahrhundert wirkt u.a. Johannes Fischer in der Mühle, der auch eine Schlagmühle angegliedert war, so unwirtschaftlich, dass er "bankrott ging" und 1871 nach Amerika auswanderte. Sein Nachfolger Spruck konnte sich auch nicht halten und verzog gegen Ende des 19.Jahrhunderts nach Gambach. Daraufhin erwarb Adam Möller aus Eichelsachsen für seinen Sohn Rudolf, der in Burkhards das Müllerhandwerk erlernt hatte, das Anwesen und die Mühle erlitt dann im "Dritten Reich", auch verursacht durch einen gewaltigen technischen Aufschwung, mit so vielen kleinen Klappermühlen den TodesstoB.

18. Rainröderstraße 2 "Schoofe".
Dieser Hausname hat mit dem (einstigen) Haustier Schaf (mdl.: "Schof") nichts zu tun, sondern ist It. einem "Verzeichnis der in der Kirche zu Eichelsachsen verlosten Männer- und Weiberstande vom Jahre 1724" auf einen Johann Conrad Schaaf zurückzuführen, der mit seiner Frau in dieser Liste erwähnt wird.

19. Hauptstraße 1 "Kelstes".
Ein junges Mädchen "ds Kelsteser Grittche" = Margarethe von KaulstoB, die in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts in dieses Haus einheiratete, verhalf ihm zu diesem Hausnamen.

20. "Dingese" Hauptstraße 3.
Um die Mitte des 19.Jahrhunderts heiratete ein Dinges aus Gedern nach Eichelsachsen, der mit seiner Frau das alte Haus erwarb und ihm seinen Namen verlieh.

21. Hauptstraße 5 "Krummels".
Durch Einheirat eines K. Krummel aus dem Hinterland hat sich dieser Hausname seit 1920 herausgebildet, der vor dem "Eckekerwesch" war, nach einem Manne namens Körber, der in der Ecke wohnt. Dieser Mann, als Straßenwärter tätig, war im Dorfe als "d Schossikerwer" bekannt. Vor diesem Manne führte dieses Haus den Namen "Saueschpeffesch".

22. Hauptstraße 9 "Wenzels".
Ursprünglich war es das Haus, das als "Wenzels" galt, ein altes Doppelhaus, an dessen Stelle das Haus "Hauptstraße 11" im Jahre 1953 erbaut wurde. Wenzel, der aus Fauerbach bei Nidda stammte, konnte das Haus (jetzt Hauptstraße 9) von einem Hch. Port, der von Herchenhain war, erwerben, da dieser nach einem liederlichen Lebenswandel bankrott ging und mit Frau und drei Kindern im Jahr 1890 nach Amerika auswanderte. In diesem Hause befand sich bis zum Jahr 1950 eine Gaststätte.

23. Forstgartenstraße 1 und 3 "Peffesch".
Seit wann das Haus Hr. 1 den Hausnamen "Peffesch" führt, ist dem Schreiber unbekannt. Bekannt ist ihm, dass das Haus Nr. 5 kurz nach 1800 erbaut wurde, von seinem Erbauer, einem Manne namens Lehr nicht gehalten werden konnte, der es dann im Laufe der Jahre gegen ein kleineres Anwesen (zur Zeit Hauptstraße 16) eintauschte. Das Haus Forstgartenstraße 3 wurde von dem Besitzer Forstgartenstraße 1 erworben und führt bis dato den Namen "Peffesch".

24. Forstgartenstraße 5 "Endesche".
Obwohl das Haus 1914 erbaut wurde und nicht an der Stelle des alten Hauses errichtet werden konnte, darf es nicht unerwähnt bleiben, da das alte Haus (Forstgartenstraße 6) erst um 1960 niedergelegt wurde.
Ein Wilhelm Weber aus dem ursprünglichen "Endeschehaus" (Zum Schonen Stein 2) heiratete im 19.Jahrhundert in das Haus "ohm Grohbeag" und gab ihm somit seinen Namen, in dem zuvor ein "Höcker" wohnte, der Lehrer war.

25. Forstgartenstraße 8 "Endesche".
Der in Nr. 24 erwähnte W. Weber erwarb gegen Ende des 19.Jahrhunderts das "Goaddehaus" (von wem?), das bis dahin diesen Namen führte, für seinen Sohn Rudolf, der mit seiner Familie noch eingangs des 2o.Jahrhunderts als "Goaddehausesch" im Dorf bekannt war. Das Haus, das ein zweistöckiges war, wurde nach dem Erwerb wegen Baufälligkeit abgebrochen und ein neues errichtet, doch konnte der Gewölbekeller der historischen Wert erlangt hatte, in seiner Ursprünglichkeit erhalten werden. Diente doch der Keller den Herren von Jossa, die Gerichtsherren von Burkhards waren, als Weinkeller und in einem schlossähnlichen Bau wohnten, der rechts im Hofe des heutigen Bürgerhauses (Dorfgemeinschaftshaus) stand, der anfangs des 16.Jahrhunderts erbaut wurde, an den noch der unter Denkmalschutz stehende Torbogen erinnert.

26. Forstgartenstraße 4 "Kastemoistesch".
Ein W. Holler, gebürtig aus dem Hause "Zum Schonen Stein 9", "Kastemoistesch", erwarb das Anwesen kurz nach 1900 von dem ledig verstorbenen und bankrotten "Beckesch-Konneroadds-Ottoche" und gab ihm somit seinen Hausnamen.

27. Forstgartenstraße 2 "Beckesch-Hannes".
Ein Johannes Zimmermann aus Betzenrod erwarb im Jahre 1912 das Anwesen vom "Beckesch-Heinerich", der mit seiner Frau kinderlos starb. Der Hausname blieb. Im Jahre 1976 oder 1977 ging nur das Haus an einen Herrn Hahnel (?) über.

28. Am Eckhardsbach 1 "Schoaullinds".
Ein Heinrich Lind aus Rainrod und seine Frau aus Eichelsachsen, kauften die im Jahre 1735 erbaute alte Schule im Jahre 1913.

29. Am Eckhardsbach 2.
Anfang des 18.Jahrhunderts erbaut, war dieses Haus bis zum Jahre 1906 im Dorfe als "ds Gemoi Weddshaus" bekannt, da der letzte Pächter, Eduard Schröder, seine eigene Gaststätte (Hauptstraße 18) eröffnet hatte. "ds Gemoi Weddshaus" wurde alle drei Jahre neu verpachtet; es hatte einen Tanzsaal und im Jahre 1847 erhielt es das Feuerlöschgerätehaus. Bin weiteres Requisit für den damaligen Reiseverkehr war ein Pferdestall, der sich da befand, wo sich zur Zeit die Busunterkunftsstelle befindet. Im Jahre 1906-1911 wurde der Tanzsaal zum Schulsaal, danach wurde das Haus vermietet. Vom Jahre 1933 bis zum Jahre 1967 war die Bürgermeisterei dort untergebracht und im Jahre 1978 ging es in privaten Besitz über.

30. Am Eckhardsbach 5 "Bonnappels".
Um die Jahrhundertwende erwarben Friedrich Appel und seine Frau das Anwesen von Ludwig Buß, das eine Gaststätte war.

31. Am Eckhardsbach 7 "Schmittbergesch".
Ludwig Schmittberger (gebürtig aus Eichelsdorf) und seine Frau erwarben um das Jahr 1880 das Anwesen von einer Familie, die im Dorf als "Grohdhannese" bekannt waren, drei Hofraiten besaßen und bankrott gegangen sind. Bis jetzt hat sich der Hausname gehalten.

32. Am Eckhardsbach 9 "Oahnberxe".
Der Name Birx fand sich seit dem Jahre 1664 im Dorfe vor und erlosch im 19.Jahrhundert durch ein kinderloses Ehepaar, doch hat sich der Hausname "Oahnberxe" bis dato erhalten können.

33. Am Eckhardsbach 11 "Drehrhannese".
(richtig "Dreher-Hannese"). Seit wann dieses Haus diesen Namen führt, lässt sich nicht mehr feststellen.

34. Am Eckhardsbach 6 "Linds".
Das Haus erhielt diesen Namen um das Jahr 1885 durch den Schmied Fr. Lind, der es wegen einer Heirat vom Schmied Jakob Arnold erwerben konnte. Das Haus wird nun im Laufe der Zeit der Spitzhacke zum Opfer fallen, denn ein Enkel des erwähnten Fr. Lind erwarb die gegenüber liegende Hofraite (Nr.35)

35. Am Eckhardsbach 13 "Bergemoistesch".
im Jahre 1960 und der Hausnamen "Linds" siedelt mit. Ein Vorläufer des Hausnamens "Bergemoistesch" war der Name "Accisesch", denn ein Acciser war in früherer Zeit ein Steuererheber.

36. An Eckhardsbach 15 "Blösesch".
Im 19.Jahrhundert erwarb der "Dreherhannese-Konneroadd" die Hofraite vom "Schaje" = Jean, der nach America auswanderte, für seinen Sohn Adam Hippel, dessen 8 köpfige Familie im 2o.Jahrhundert in gut 2o Jahren vollständig erloschen war. Durch Verkauf kam das Anwesen an Friedrich Lind für seinen 2. Sohn, der es um das Jahr 1965 an Theo Blöser verkaufte.

37. Am Eckhardsbach 17 "Hetze" = von Hirz.
Trotz Einheiratens zweier anderer Familien, hatte sich der Hausname "Hezze" (wie lange schon?) erhalten können.

38. Am Eckhardsbach 19 "Kralls".
Ein Christian Krall aus Glashütten gab im 19.Jahrhundert diesem Hause seinen Namen.

39. Am Eckhardsbach 21 "Annolds".
Der (unter Nr. 34) erwähnte Schmied Jakob Arnold gab diesem Haus durch seine Heirat in dieses seinen Namen, der bis dato noch wahrt. Arnold hatte eine Frau geheiratet, deren Mann nach Amerika auswanderte und nie was von sich hören ließ.

40. Am Eckhardsbach 23 "Appels".
Seit wann dieser Hausname gilt, lässt sich nicht mehr feststellen. Der erste "Appel" im Dorfe wird 1618 erwähnt.

41. Am Eckhardsbach 25 "Gloaserhezze".
Nach einem Glaser namens Hirtz, der im 19.Jahrhundert noch tätig war. Der alte Hausname ist nun erloschen, da das Haus durch Verkauf um 1950 an Wilhelm Weber überging.

42. Am Eckhardsbach 29 "Zellesch".
Dieser Name erinnert an den Zöllner in der einstigen Kleinstaaterei.

43. Am Eckhardsbach 33 "Schauermanns".
Ein Otto Schauermann erbaute die Hofraite für seinen Sohn Rudolf, der im besten Mannesalter im Jahr 1947 verstarb und das Anwesen seinem Adoptivsohn überließ.

44. Am Eckhardsbach 51 "Königs".
Ein Peter König aus Gunzenau gab durch Heirat diesem Haus seinen Namen.

45. Am Eckhardsbach 35 "Loose".
Ein alter Hausname im Dorfe, der nun durch Kinderlosigkeit und Hausverkauf erloschen ist.

46. Glashüttener Str. 1 "Dingese".
Johannes Dinges und seine Frau erwarben die Hofraite kurz vor der Jahrhundertwende 18oo-19oo (von wem?) und das Haus erhielt so seinen Namen.

47. Glashüttener Str. 3 "Spomesch".
Ludwig Spamer (aus "dm Oahn") heiratete in dieses Haus und gab ihm den Namen, der vorher "Scheferhannese" war.

48. Glashüttener Str. 5 "Waltesch".
Ein Walter Weber, im Dorf als "d Walter" bekannt und seine Frau erwarben das ehemalige Porsthaus um das Jahr 1926, nachdem das neue, Zwiefalterstraße 21, im Jahre 1925 erbaut worden war.

49. Glashüttener Str. 4 "Ahsbachesch".
Dieses Haus hatte seinen Namen nach der (einstigen) Flur "Auf der Ansbach" erhalten.

50. Zwiefalterstraße 1 "Repps".
Heinrich Repp und seine Frau erbauten das kleine Haus um das Jahr 1875.

51. Zwiefalterstraße 3 "Juste"
Eduard Wagner (aus "dm Oahn") und seine Frau erwarben das Haus nach Auflösung der Gemeindeschäferei, die im Jahre 1880 erfolgte und in dem zuletzt ein Schäfer namens Funk wohnte.

52. Zwiefalterstr. 7 "Drehsch".
Seit wann dieser schon lange ausgestorbene Beruf in diesem Hause ausgeübt wurde, lässt sich nicht mehr feststellen. Drehsch = von Dreher (in Holz).

53. Zwiefalterstraße 9 "Kallches".
"D Kallches Gustav", der mit seiner Familie in dem nun niedergelegten Hause Kirchweg 13 zur Miete wohnte, musste dieses räumen, da das Haus in anderen Besitz übergegangen war. Er nahm Wohnung in dem Leerstehenden  "Steuernahls" = Steuernagels Haus um das Jahr 1925 und übertrug seinen ehemaligen Hausnamen auf dieses Haus. Um das Jahr 1950 erwarben seine Tochter Anna und ihr Mann 0. Kaiser das Haus käuflich.

54. Zwiefalterstraße 12.
Wie es zu diesem Hausnamen kam, siehe unter Nr. 7 "Bennesch". ??? Verstehe hier den Verfasser nicht!

55. Zwiefalterstraße 1o "Appels".
Zur besseren Unterscheidung mit anderen "Appels" im Dorfe, hat das Haus die Bezeichnung "Woaidappels", da es in der Nahe der Flur "Auf der Weide" steht. Ein Jakob Appel, der in dieses Haus einheiratete (in der 2. Hälfte des 19.Jahrhunderts) gab dem Haus seinen Namen. Wie es vorher hieß, ist dem Schreiber unbekannt.

56. Zwiefalterstraße 8 "Stangs".
Im 19.Jahrhundert heiratete ein Mann namens Stang aus Glashütten in dieses Haus und gab ihm seinen Namen, der vor diesem "Vältes" war, eine Abart von Valentin.

57. Zwiefalterstraße 6 "Buße".
Wenn sich auch der Familienname Hippel, der im Dorfe zum erstenmale im Jahre 1567 erwähnt wird, in diesem Hause, nach des Schreibers Wissen, in der 5 oder 6. Generation befindet, so hat sich der Hausname "Buße" doch gut halten können, dem wir auch ein viel älteres Datum zurechnen müssen.

58. Zwiefalterstraße 4 "Schauermanns".
1648 zum ersten mal erwähnt, hat sich dieser Hausname bis dato gut halten können.

59. Zwiefalterstraße 2 "Feicks".
Johannes Feick aus Rainrod gab diesem Haus durch seine Heirat im 19.Jahrhundert seinen Namen.

60. HauptstraBe 44 "Straßewarts".
Das Haus erhielt seinen Namen durch den Straßenwärter Wilh. Loos, der es um 1880 erwarb, das zuvor "Bachpetesch" hieß.

61. HauptstraBe 42 "Beppelesch".
Georg Beppler, "Postlio.n von Lizenlinden aus dem Königreich Preußen" gab 1845 dem Haus seinen Namen.

62. HauptstraBe 4o.
wo jetzt das in den Jahren 1910/1911 erbaute Schulhaus steht, stand im Jahre 1865 noch das sehr "reparaturbedürftige" Gemeinde-Brauhaus.

63. HauptstraBe 38 "Johanns".
Wilhelm Weber und seine Frau erwarben um 1912 das Anwesen von Johannes Sachs, das "Ludwigs-Haus" war.

64. HauptstraBe 36 "Polezeidienesch".
Wilhelm Beppler und seine Frau erwarben das Anwesen kurz vor der Jahrhundertwende (von wem?) und die Amtsbefugnis des neuen Besitzers übertrug sich auf den Hausnamen.

65. HauptstraBe 34 "Biegesch".
Wilhelm Bieger aus Gedern und seine Frau konnten das Anwesen, in dem sich der Pleitegeier eingenistet hatte, vor der Jahrhundertwende 1800-1900 erwerben.

66. HauptstraBe 32 "Wetzis" = abgeleitet von Würtz.
Johannes Fuchs aus Busenborn, der um die Mitte des 19.Jahrhunderts in dieses Haus geheiratet hatte, betrieb  neben seiner Landwirtschaft eine Gastwirtschaft und eine Metzgerei. Da er auch einen Vertrag mit dem bekannten  "Vogel" nicht einhalten konnte, wanderte er im Jahre 1883 nach Amerika aus. Johs. Würtz und seine Frau erwarben die Hofraite und der Hausname "Hoihnantonols", den das Haus trug (wegen der Nähe der einstigen Flur "In der Hohl"), änderte sich in "Wetzis".

67. HauptstraBe 28 "Christejahns"
heißt das Haus vom Jahre 1913 an, da es ein Eduard Mettenheimer und seine Frau erworben hatten. Mettenheimers Vater hieß Christian (siehe Nr. 2). Nach dem Tode Friedrich Hollers, "dm Konneradches Fritz", dessen Tochter auswärts verheiratet waren, wurde die Hofraite verkauft.

68. Am Rotenbergsweg 5 "Loosemechels".
Trotz des Familiennamens Steuernagel, der schon über 15o Jahre in diesem Hause währt, hat sich der Hausname, benannt nach dem Manne Michael Loos, halten können.

69. Am Rotenbergsweg 3 "Kralls".
Wilhelm Krall und seine Frau konnten kurz nach der Jahrhundertwende das Anwesen von Heinrich Kau, der den "Rückwärtsgang" eingeschaltet hatte und nach Lollar verzog, erwerben.

70. Am Rotenbergsweg 2 "Hoihnschustesch".
Schuster Wilh. Appel und seine Frau konnten das Anwesen um das Jahr 1911 nach dem Tode des kinderlosen Ehepaares Kleinschmidt erwerben. Kleinschmidt war von Beruf Schmied. Der Hausname "Hoihnschustesch" setzte sich aus des Mannes Beruf und dem einstigen Flurnamen "In der Hohl" zusammen.

71. Hauptstraße 17 "Wahrges".
Abgeleitet von dem einstigen Beruf Wagner, andernorts auch Stellmacher genannt, war der Hausname bis zum Tode des letzten Besitzers Friedrich Wilhelm Weber, der mit seiner Frau kinderlos verstarb.

72. Hauptstraße 15 "Runke"
Mit dem letzten Besitzer Friedrich Schmidt, im Dorfe bekannt als "d Runke Fritz" erlosch der Hausname und das Anwesen ging in anderen Besitz über.

73. Hauptstraße 13 "Kelstes",
Ein zweiter Sohn des (unter Nr. 19 angeführten) "Kelsteser Grittche" gab durch Heirat dem (alten) Haus seinen Namen.

74. Hauptstraße 22 "Quanze".
Ein alter Name, der 1648 zum ersten mal im Dorfe erwähnt wird. Das (alte) Haus wurde um 1871 von einem Manne namens Frisenius erworben, der Ellenwarenkrämer, Farb- und Spezereihändler und Tapezierer war.

75. Steingartenweg 3 "Oahnschneiresoh".
Der Beruf des verstorbenen Besitzers Jakob Arnold und die Lage des Hauses "emm Oahn" gaben dem Haus seinen Namen. Arnold hatte das Haus von einem Appel erworben.

76. Steingartenweg 5 "Juste".
Wann und wie das Haus zu diesem Namen kam, lässt sich nicht mehr feststellen. Es ist anzunehmen, dass er dem Rufnamen Jost(= Just ausgesprochen) entnommen wurde.

77. Steingartenweg 6 "Hansels".
Heinrich Hansel aus Glashütten heiratete um 1890 in dieses Haus, das somit diesen Namen erhielt, der vorher "Fretze" (vom Familiennamen = Fritz) war.

78. Steingartenweg 4 "Zinnels".
Juliane Zinnel hatte das (alte) Haus (von wem?) erb- und eigentümlich erhalten und ihr Mann Karl Zinnel gab ihm seinen Namen.

79. Steingartenweg 2 "Dittmanns".
Heinrich Dittmann und seine Frau erbauten das jetzige Haus im Jahre 1927 anstelle eines alten Doppelhauses, das zu einem Teil den Namen "Spomesch" führte, zum anderen den Namen "Christejahns", nach dem Manne namens Christian Mettenheimer. "Spomesch" = Spamer, ein Name, der schon 1579 im Dorfe erwähnt wird, teils auch als Spanemer eingetragen ist. Der letzte Träger dieses Namens, der Wagner Heinrich Schmidt, war im Dorfe als "d Spomesch-Wahr" bekannt.

80. Hauptstraße 20 "Quanze".
Ein alter Name (Siehe Nr. 74)

81. Hauptstraße 18 "Wedds" = Wirts = Gastwirtschaft
Der letzte Pächter des Gemeinde Wirtshauses (Am Eckhardsbach 2) Eduard Schröder, ließ in den Jahren 1905/06 das Gasthaus "Zur Linde" erbauen, an dessen Stelle (nach Aussagen älterer Leute) sich ein Grasgarten mit einem großen Birnbaum befunden hatte, unter dem viele Kinder gespielt hatten.

82. Hauptstraße 16 "Lehsch".
Der Name Lehr wird 1697 erwähnt. "Lehsch" wohnten in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts im Haus Forstgartenstraße. 3 (siehe Nr.23).

83. Hauptstraße 14 "Rupps".
Schneider Friedrich Rupp aus Lanzenhain gab diesem Haus durch seine Heirat in der 2. Hälfte des 19.Jahrhunderts seinen Namen.

84. HauptstraBe 12 "Mettenheimesch".
Landgraf Ludwig VIII. von Hessen regierte von 1739-1766, nahm den Jagdchirurgen Lorenz Mettenheimer in seine Dienste und ließ ihn 1755 das Haus erbauen. Der Hausname konnte sich bis dato halten.

85. Hauptstraße 10 "Hoase".
Eduard Haas und seine Frau erwarben in der 2. Hälfte des 19.Jahrhunderts das Haus (von wem?). Haas wird seit 1640 im Dorf erwähnt.

86. HauptstraBe 8 "Ds Oamehaus"
stand an der Stelle des neuen, im Jahre 1963 erbauten evangelischen Gemeindehauses. "Ds Oamehaus", wie es die Bezeichnung im Dorfe gefunden hatte, gehörte noch um die Mitte des 19.Jahrhunderts mit noch zwei anderen, der einstigen "Schärtgesmühle" (Zum Schönen Stein 15) und dem Haus "Am Eckhardsbach 7" den damals reichsten Leuten im Dorfe, die sich "Bechtold" schrieben, den Hausnamen "Grondhannese" führten und "bankrott gingen". Ein Zweig der Familie verzog nach Westfalen. Die Gemeinde erwarb das Haus und unter den damals vorherrschenden sozialen Verhältnissen fanden auch wirklich arme Leute darin eine Unterkunft.

87. Hauptstraße 6 "Emmerichs"
heißt das Haus seit ungefähr 1885-1890, da es ein Johannes Emrich (aus Gelnhaar) und seine Frau erwarben.

88. Hauptstraße 4 "Eckeraus".
Karl Rau aus Eichelsdorf heiratete um die Jahrhundertwende in dieses Haus und es erhielt den angeführten Namen, der vorher "Wetzis" war, von Würtz.

89. Hauptstraße 2 "Schmidds" auch "Kerweschschmidds"
nach dem Schmied Wilhelm Körber. Wilhelm Körber sen. und seine Frau erwarben um die Jahrhundertwende ein kleines altes Häuschen, das niedergelegt und das jetzige an dessen Stelle errichtet wurde. Der frühere Besitzer, der sich auch Körber schrieb und Polizeidiener war, hatte bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten ein kurzes "Gebet" folgenden Inhalts verrichtet: "Kreuzbimbeldonnerwearrer". Unter diesem Namen war er auch im Dorfe bekannt.

90. Kirchweg 3 "Böcks".
Walter Böck aus Ober-Lais gab diesem Haus durch Heirat um 1948 seinen Namen, der vorher "Soachse" war. Johannes Sachs erwarb das Haus um 188o oder 1885 von einem Geometer namens Jochen (Siehe Nr. 2).

91. Kirchweg 2 "Schmittbergesch".
Wilhelm Schmittberger und seine Frau erwarben das Haus im Jahre 1927 von Otto Pfeffer und seiner Frau, verw. Preusch, demzufolge Pfeffer zur besseren Unterscheidung der anderen beiden "Peffesch" den Namen "Preuschepeffesch" führte. Wenn sich auch seit ungefähr 1890 der Familienname Preusch (aus Ober-Lais) in diesem Hause vorfand, blieb doch der alte Hausname "Kerwesch" (von Körber) (wie lange schon) bestehen.

92. Kirchweg 7 "Hauptmannsoachse".
Während der Herrschaft der erwähnten Landgrafen befand sich unter dem Dache dieses Hauses ein Marstall, dem ein Hauptmann vorstand, denn es wird ein Hauptmann Walbott erwähnt. Es ist anzunehmen, dass der Dienstgrad dieses Mannes (und vielleicht auch anderer) nach Beendigung der landgräflichen Herrlichkeit trotz Erwerbs des Anwesens privaterseits zum Hausnamen wurde, der sich bis dato halten konnte.

93. Kirchweg 9 "Preusche".
Die unter Nr. 91 (Kirchweg 2) erwähnten Eheleute Otto Pfeffer und Ehefrau erwarben im Jahre 1927 die Hofraite Kirchweg 9, da ihnen die bisherige zu klein war. Der vorherige Besitzer Wilhelm Bopp verkaufte das Anwesen wegen Kinderlosigkeit, das eine Gaststätte (Zum Hirschen) enthielt, der eine Spezereihandlung angeschlossen war.

94-, Kirchweg 13 "Webesch", mdl. "Wewesch"
war der Name dieses Hauses ungefähr 50 Jahre lang, der vorher "Kallches" lautete, das 1975 niedergelegt wurde. Ob nun das "Kallche" von nicht allzu großem Wuchs oder der jüngste Sproß einer Familie war, ist nicht zu ergründen: "ds Kallche" = Karl Wagner und seine Frau hatten (noch im 19.Jahrhundert) "bankrott gemacht" und der Schmied Jakob Körber (Kerwesch Jakob), Kirchweg 2, erwarb das Anwesen, da er die Scheune zur Aufbewahrung des Rauhfutters benötigte. Eine Enkelin des Jakob Körber erhielt im Erbteil das Anwesen und ihr Mann Otto Weber aus dem eingangs dieser Abhandlung angeführten "Stoffewewesch" gab ihm für kurze Zeit den Namen.

95. Kirchweg 15 "Hergets".
Ein Heinrich Herget (Rufname "Hennerich" war früher allgemein) aus Hartmannshain gab um 1880 dem Haus seinen Namen, in dem sein Schwiegervater "d Dammbosch (=Tambour's) Heinrich" lebte.

96. Kirchweg 19 "Linds"
war der Name dieses Hauses durch einen Heinrich Andreas Lind aus Geiß-Nidda seit 1865 bis zum Verkauf des Anwesens im Jahre 1977 durch einen Enkel, der aus Alters- und Gesundheitsgründen nach Ober-Schmitten zu seiner Tochter übersiedelte. Vor dem Hausnamen "Linds" war er "Gottliebs" nach einem Schneider und Kappenmacher Gottlieb Hofmann aus Freienseen, der das kleine Haus 184O erbaut hatte, das 1902 einen Anbau erhielt.

97. Außerhalb "Die Zäigelhedde"
wurde im Jahre 1779 auf Veranlassung des Landgrafen Ludwig IX. von Hessen erbaut, dessen Plan es war, beim Schloss Zwiefalten ein Dorf zu gründen. Aus diesem Plan ging nur die "Zäigelhedde" hervor, deren Brennofen im Jahre 1908 wieder erlosch.

Soweit die Hausnamen unseres Dorfes, denen ich zu ihrer Entstehung eine kurze Erklärung beifügte, wie auch zu ersehen ist, dass mancher Hausname ein ansehnliches Alter aufzuweisen hat. Eine Einteilung der Gemeinden in Straßen, Wege und dergl. mit laufender Hausnummer kannte man im 18. und auch in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts noch nicht. Der Kirchweg mag wohl von altersher die einzige Wegebezeichnung sein, doch eine Kenntlichmachung der einzelnen Häuser durch Hausnummern gab es erst seit 1862: "Von J.W. Buderus Söhne (Hirzenhain) sind 1862 für 19 Gulden Hausnummern gekauft " worden. Auch die Beizeichen zur besseren Unterscheidung der Haushaltsvorstände, z.B.: Johann Müller I., II. oder der III. sind erst seit der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts bekannt, die vor dem "d Mellesch grüß, d mettescht" = der mittlere,"d kloi, d Mellesch ahld, d jung" oder "d lang" usw. waren. Der "sparsame" Gebrauch von Rufnamen ließ die alten wie die neuen Beizeichen zu den Familiennamen entstehen.